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Fluglärmkommission entscheidet über Lärmpausen .
Von cf ·· 2015-01-29 23:30

Auf der 229. Sitzung am 28.01.2015 hat die Fluglärmkommission ihre Bewertung der vom hessischen Verkehrsminister vorgeschlagenen fünf Modellen für eine 7-stündige Lärmpause verkündet. Danach werden fast alle die Modelle komplett abgelehnt, weil der Nutzeffekt - Entlastung gegenüber Mehrbelastung/Neubelastung an anderer Stelle - nicht groß genug ist. Nur für Modell 4 will die Kommission einen Probebetrieb akzeptieren, und auch hier nur für den West-Betrieb (Betriebsrichtung 25). Für den Ostbetrieb Ost-Betrieb (Betriebsrichtung 07) werden alle Modelle abgelehnt, da sie bereits hochbelastete Städte im Westen des Flughafens noch mehr belasten, was ein Ausschlusskriterium ist. Der Probebetrieb soll durch ein begleitendes Monitoring auf seine Wirkungen untersucht werden, auch an eine Befragung der Betroffenen ist gedacht.

Verkehrsminister Al-Wazir zeigte sich erfreut, dass er wenigstens ein Modell ausprobieren kann. Der Probebetrieb soll mit dem Sommerflugplan im April beginnen. Für den Ostbetrieb sollte weiter nach Möglichkeiten für mögliche Entlastungen gesucht werden, meinte Al-Wazir. Gegen den Willen der Fluglärmkommission soll aber keine Regelung durchgesetzt werden. Die Reaktionen fielen bei den Kommunen (je nach Betroffenheit) vorsichtig optimistisch bis ablehnend aus. Die Bürgerinitiativen lehnen die Lärmpausen ab, sie fordern ein Nachtflugverbot von 22-6 Uhr und eine tatsächliche Verringerung des Fluglärms.

Presseberichte zur Lärmpausenentscheidung:

Was wurde beschlossen?

Beim Lärmpausenmodell 4 bei Westwind wird morgens von 5-6 Uhr auf der Nordwestbahn und der Centerbahn gelandet (aus Richtung Osten), gestartet wird von der Centerbahn (Richtung Westen). Abends wird auf der Südbahn gelandet, gestartet wird von der Centerbahn und der Startbahn West (Grafik zu allen Lärmpausenmodellen HIER ). Dadurch bekommen am Abend 105000 Menschen, vor allem im Frankfurter Süden und im Norden Offenbachs, eine Lärmpause. Dafür werden 65000 Menschen in Hanau, dem Offenbacher Süden und in Neu-Isenburg mehr belastet. Am Morgen sind die Auswirkungen geringer: 18000 Menschen in einem Streifen zwischen Neu-Isenburg und Hanau werden entlastet, 16000 (vor allem im Main-Kinzig-Kreis) werden mehr belastet. Entlastungen und Belastungen gehen auch mit teilweise starken Verschiebungen einher.

Weil die Lärmpausenmodelle den Lärm nicht verringern, sondern nur räumlich und zeitlich anders verteilen, gibt es bei jedem Modell Gewinner und Verlierer. Da die gezielte Nutzung von Start- und Landebahnen bei den Modellen nicht rollierend erfolgt ("heute alles auf eine Bahn, morgen alles auf die andere"), sondern die Morgen-Randstunde gegen die Abend-Randstunde aufgerechnet wird, stehen dauerhafte Entlastungen an der einen Stelle dauerhafte Mehrbelastungen an anderer Stelle gegenüber. Die Fluglärmkommission hat die Lärmwirkungen aller Modelle für beide Betriebsrichtungen nach verschiedenen Kriterien (wie Zahl der Betroffenen, die eine Lärmpause bekommen oder verlieren, Änderungen bei Aufwach-Reaktionen, Änderung der Belastung bei jetzt schon hoch belasteten Gebieten) durchrechnen lassen. Die Auswertungen sind erstaunlich kompliziert (mehr als 150 Seiten) und dürften für den Laien nur schwer verständlich sein. Auf der Homepage der Fluglärmkommission kann man sich das der Bewertung zugrunde liegende Material in verschiedenen Detailstufen zu Gemüte führen, am ehesten verständlich ist noch die Präsentation.

Bereits das Wort "Lärmpause" ist eigentlich eine Mogelpackung: mit Lärmpause ist nicht etwa völlige Ruhe (kein Flugzeug) gemeint. Die "rechnerische Lärmpause" meint weniger als 6 Überflüge mit 58 dB(A) - dann kann man nach offizieller Definition auch bei gekipptem Fenster (Dämpfung 15 dB(A)) durchschlafen. Die in der Presse genannten Zahlen von Entlasteten und mehr Belasteten bezieht sich auf die Zahl der Menschen, die eine Lärmpause bekommen, gegenüber denen, die ihre bis jetzt bestehende Lärmpause verlieren.

Erste Reaktionen

Die Parteien im Landtag äußerten sich, je nach dem bekannten politischen Standpunkt, in vorhersehbarer Weise. Die Grünen sprachen von einem "großen Erfolg im Bemühen um eine Entlastung der Menschen in der Region". Die Entscheidung für den Ausbau sei zwar falsch gewesen, man werde aber jetzt alles tun, um die Belastungen abzumildern. Frankfurt sei der einzige internationale Großflughafen, an dem ein Nachtflugverbot und zusätzliche Begrenzungen des Fluglärms in den Nachtrandstunden realisiert würden. Die CDU freute sich über "spürbare Erleichterungen" für die vom Fluglärm betroffenen Menschen und versprach, die begonnenen Aktivitäten für mehr Lärmschutz weiter fortzusetzen (Allianz für mehr Lärmschutz, Forcierung der satellitengestützten Navigation GBAS). Die Opposition zeigte sich dagegen weniger angetan. Die SPD kritisierte, dass nicht wie versprochen für alle Betroffenen eine Lärmpause geschaffen würde (was zutrifft). Die LINKE sieht ein weiteres Mal Minster Al-Wazir als gescheitert an.

Die Kommunen lobten den guten Willen des Verkehrsministers und äußerten sich, je nach Betroffenheit, positiv oder negativ zu dem geplanten Lärmpausenmodell. Die Regierungsparteien im Römer zeigten sich zufrieden, zumindest in den Abendstunden werde es für Frankfurt leiser. Auch der Offenbacher OB Schneider freute sich über die Entlastung zumindest einiger Offenbacher Bürger und forderte die Einführung des segmentierten Anflugs, um Offenbach ganz zu umfliegen. Der ehemalige Flughafendezernent Weiss bezeichnete die Lärmpausen dagegen als Mogelpackung. Der Neu-Isenburger Bürgermeister Hunkel kann dem Modell 4 nicht zustimmen, da seine Stadt zu den verlieren gehöre. Hunkel hatte sich dafür eingesetzt, alle Modelle auszuprobieren und die Wirkung zu überprüfen, bevor man eine Entscheidung treffe. Der Landkreis Mainz-Bingen lehnt alle fünf Modelle für Lärmpausen ab. Keines dieser Modelle bringe eine wirkliche Entlastung für den Landkreis.

Die "Initiative Zukunft Rhein-Main" freut sich über jeden kleinen Schritt zur Verbesserung der Lärmsituation, besteht aber weiterhin auf einem Nachtflugverbot von 22-6 Uhr. Die Bürgerinitiativen bedauerten die Entscheidung der Fluglärmkommission, ein Lärmpausenmodell zum Test zuzulassen. Das Bündnis lehnt alle Lärmpausenmodelle ab, da sie den Lärm nicht mindern, sondern nur verschieben, und fordert statt dessen ein Nachtflugverbot von 22-6 Uhr und eine Verringerung der Zahl der Flugbewegungen. Die Bürgerinitiative Sachsenhausen ist trotz Entlastung am Abend keineswegs zufrieden, sie fürchtet wegen der Mehrbelastung am frühen Morgen eine Lärmhölle bei Westwind. Der BUND begrüßte die Entscheidung der Fluglärmkommission. Wegen der Gesundheitsgefährdung durch Nachtflüge sei jeder Versuch einer Entlastung sinnvoll, auch wenn ein längeres Nachtflugverbot das Ziel bleibe.

 Der Streit um den Fluglärm
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