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Neue Studie: Nächtlicher Fluglärm macht krank! .
Deutliche Risiko-Erhöhung für Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Krankheiten
Von cf ·· 2006-11-20

Es wird immer deutlicher: Fluglärm macht krank. In Gebieten mit nächtlichem Fluglärm um den Flughafen Köln-Bonn werden deutlich mehr Medikamente gegen Bluthochdruck und andere Herz-Kreislaufkrankheiten verschrieben wie in nicht belasteten Gebieten. Dies hat Prof. Greiser (Universität Bremen) in einer großangelegten Studie herausgefunden, die letzte Woche bei einer Tagung der Initiative "Ärzte für ungestörten Schlaf" vorgestellt wurde.

Studie analysiert Arzneimittelverbrauch in Flughafen-Region

Greiser wählte für seine Untersuchung einen anderen Ansatz als die meisten bisherigen Studien. Er analysierte die bei den gesetzlichen Krankenkassen vorliegenden Daten über Arzneimittelverordnungen dahin gehend, ob für Versicherte in stärker fluglärmbelasteten Gebieten mehr Arzneimittel verordnet wurden als für Versicherte in weniger oder gar nicht vom Fluglärm belasteten Regionen. Da man davon ausgehen kann, dass Medikamente gegen ernsthafte Krankheiten nur dann verordnet werden, wenn der Patient auch krank ist, kann man auf das Vorkommen der zugeordneten Krankheiten in den betreffenden Gebieten schließen. Mit dieser Methode wird es möglich, die Daten sehr vieler Betroffener auszuwerten - mehr als 800 000 Versicherte wurden betrachtet, das entspricht fast der Hälfte der im betreffenden Gebiet lebenden Bevölkerung. Damit ist die vorliegende Studie weltweit die größte epidemiologische Studie, die jemals zum Thema Fluglärm und Gesundheit durchgeführt wurde.

Die Ergebnisse sind alarmierend ...

Insbesondere nächtlicher Fluglärm zwischen 3.00 und 5.00 Uhr, wie er am Flughafen Köln-Bonn auftritt, hat einen deutlichen Einfluss auf die Häufigkeit und die Menge verordneter Arzneimittel. Schon in der Gruppe mit "geringerer Fluglärmbelastung" (40-45 dB(A), zwischen 3 und 5 Uhr!) wurden blutdrucksenkende Arzneimittel für Männer um 5% und Frauen um 27% häufiger verordnet als für Personen in unbelasteten Regionen. Bei "stärkerer Lärmbelastung" (46-61 dB(A)) waren es für Männer 24% und für Frauen 66% mehr.

Bei Arzneimitteln zur Behandlung von Herz- und Kreislauferkrankungen (ohne blutdrucksenkende Mittel) ist das Ergebnis noch deutlicher: bei geringer lärmbelasteten Männern wurden die Medikamente um 14%, bei stärkerem Fluglärm um 27% häufiger verordnet. Für Frauen liegen die entsprechenden Werte mit 22% und 116% wieder deutlich höher. Und noch schlimmer wird es bei Patienten, die beide Arten von Arzneimitteln benötigen: für Männer wurden hier bei geringerem Fluglärm 17% und bei höherem Fluglärm 44% mehr, bei Frauen entsprechend 37% und 184% mehr Medikamente verschrieben. Auch bei der Verordnung von Beruhigungs- und Schlafmitteln wurden für Frauen höhere Werte bei Fluglärmexposition gefunden.

Dabei muss man noch berücksichtigen, dass bei vielen Menschen ein behandlungsbedürftiger Bluthochdruck noch gar nicht diagnostiziert worden ist und deshalb auch noch nicht behandelt wird (bei Männern mehr als 40%). Die tatsächliche Zahl der erkrankten Personen dürfte also noch höher liegen. Die höheren Werte für Frauen könnten daran liegen, dass Frauen statistisch öfter zum Arzt gehen und die Krankheit deshalb eher entdeckt wird.

Weiterhin stellte auf der Tagung auch Prof. Kaltenbach seine Längsschnittstudie zur Abhängigkeit von Herzfrequenz und Blutdruck vom aktuellen Fluglärm vor, die im Umfeld des Frankfurter Flughafens durchgeführt wurde. Auch Kaltenbach war zu dem Ergebnis gekommen, dass zur Vermeidung von Gesundheitsgefahren der nächtliche Lärm 45 db(A) nicht überschreiten sollte.

Aktuelle Grenzwerte sind viel zu hoch

Bemerkenswert und besorgniserregend ist, dass die schädlichen Effekte des Fluglärms schon bei relativ niedrigen Dauerschallpegeln (ab 40 bzw. 45 dB(A)) auftreten. Dabei wurde hier nur der Fluglärm in den beiden nächtlichen "Hauptbetriebsstunden" (3 bis 5 Uhr) betrachtet - würde man über die ganze Nacht mitteln wie sonst meist üblich, wären die entsprechenden Pegel noch um bis zu 6 dB(A) niedriger! Hinzu kommt, dass viele der untersuchten Personen Anspruch auf Schallschutzfenster haben und diesen wohl auch genutzt haben. Offenbar sind trotzdem viele krank.

Zum Vergleich: der aktuelle Entwurf des Fluglärmgesetzes sieht einen Anspruch auf Schallschutzfenster erst ab einem nächtlichen Fluglärm von 50 dB(A) vor - gemittelt über alle Nächte des Jahres und auch nur für neue Flughäfen ab 2011!! Die neuen Studien zeigen deutlich: diese Grenzwerte sind viel zu hoch. Die WHO meint: um gut schlafen zu können, sollte im Schlafraum der Dauerschallpegel von 30 dB(A) nicht überschritten werden, und Einzelschallereignisse über 45 dB(A) sollten vermieden werden (innen). Das heisst bei realistischen 10 dB(A) Abschlag für ein gekipptes Fenster: außen nicht mehr als 40 dB(A) und möglichst keine Einzelschallereignisse über 55 dB(A). Das passt zum Ergebnis der Greiser-Studie. Realisieren lässt sich das dort, wo Menschen direkt unter den Flugrouten wohnen, nur mit einem Nachtflugverbot.

 

Mehr zum Symposium "Gesundheitsgefährdung durch Fluglärm - Ergebnisse epidemiologischer Untersuchungen":

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